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Nächster Schritt zur Professionalisierung der muslimischen Seelsorge

Neuer Seelsorgekurs ging heute zu Ende


Premiere in der niedersächsischen Gefängnisseelsorge: In Hermannsburg bei Celle ist heute der erste Seelsorgekurs für muslimische Seelsorgerinnen und Seelsorger zu Ende gegangen. Der neue Kurs ist ein weiterer Schritt der niedersächsischen Justiz, die muslimische Gefangenenseelsorge zu professionalisieren.

Justizministerin Barbara Havliza erklärte: „In der christlichen Gefängnisseelsorge ist eine spezifische Ausbildung obligatorisch, ein entsprechendes Angebot für die muslimischen Kolleginnen und Kollegen gab es bisher nicht. Dabei wird die muslimische Seelsorge im Justizvollzug immer wichtiger. Wir haben in Niedersachsen rund 1.000 Gefangene mit muslimischer Religionszugehörigkeit, das ist fast ein Fünftel aller Insassen. Mit dem Seelsorgekurs setzen wir nun unseren eingeschlagenen Weg fort, den wir mit der Durchführung des richtungsweisenden Forschungsprojektes zur muslimischen Gefängnisseelsorge mit dem Institut für Islamische Theologie Osnabrück im Jahr 2020 begonnen haben.“

Seit Juni 2021 absolvierten eine muslimische Seelsorgerin und neun Seelsorger in drei Unterrichtsblöcken ein Curriculum, das von dem Niedersächsischen Justizministerium und der Schura Niedersachsen in Zusammenarbeit mit christlichen Gefängnisseelsorgern durchgeführt worden ist.

Es umfasste insgesamt 90 Unterrichtseinheiten und bestand aus drei Elementen:

  • der Einführung in klientenzentrierter Gesprächsführung und der Reflexion anhand von der Teilnehmerin und Teilnehmern eingebrachter Fälle,
  • der Vertiefung verschiedener Aspekte islamischer Theologie und Ethik wie zum Beispiel „Schuld und Prüfung aus islamischer Perspektive“ und
  • dem Praktizieren von gemeinschaftlichem Leben.

Die Kursteilnehmer und die Kursleiter verbrachten jeweils drei bis fünf Tage gemeinsam in einer (christlichen) Bildungseinrichtung. Ein wesentliches Moment des Konzeptes war das Leben in Gemeinschaft. Dazu gehörte das Verrichten der im Islam vorgegebenen Tagesgebete, die gemeinsamen Mahlzeiten und das Abendprogramm.

Recep Bilgen, Vorsitzender der Schura Niedersachsen hob hervor: „Unsere Seelsorger sind Ansprechpartner und seelische Stütze bei der Resozialisierung der Inhaftierten. Die Erfahrungen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die muslimische Gefängnisseelsorge von muslimischen Inhaftierten angenommen wird und dass weiterer Bedarf besteht. Wir begrüßen, dass der Kurs nun abgeschlossen wurde und freuen uns, dass die Schura Niedersachsen als Träger mitgewirkt hat.“ Zudem wünschte Bilgen den Absolventen des Kurses auch nach der Beendigung viel Erfolg und hoffte, auf eine nachhaltige und gute Entwicklung der muslimischen Gefängnisseelsorge in Niedersachsen.

Eduard Wolf, stellvertretender Leiter des Referates Vollzugsgestaltung, beglückwünschte die Teilnehmerin und die Teilnehmer zu dem erfolgreichen Abschluss des Kurses. Er sei sicher, dass sie damit ihre berufliche Kompetenz erweitert und Handlungssicherheit gewonnen hätten. Die gewonnenen Erfahrungen würden ihnen auch im Austausch mit den christlichen Kolleginnen und Kollegen zugutekommen.

Zum Hintergrund: Im niedersächsischen Strafvollzug betreuen neun muslimische Seelsorger und eine Seelsorgerin Gefangene mit muslimischer Religionszugehörigkeit. Sie verfügen fast alle über einen in Europa erworbenen akademischen Abschluss in islamischer Theologie. Die Seelsorgerin und Seelsorger im niedersächsischen Justizvollzug erhalten regelmäßig Gruppensupervision.

Schmuckgrafik   Bildrechte: MJ

Artikel-Informationen

erstellt am:
17.09.2021

Ansprechpartner/in:
Herr Christian Lauenstein

Nds. Justizministerium
Pressesprecher
Am Waterlooplatz 1
30169 Hannover
Tel: 0511 / 120-5044

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