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"Opferschutz braucht aktive Netzwerke!"

Opferschutzbeauftragter führt erstes regionales Netzwerktreffen der Unterstützungsstruktur in Celle durch


Auf Initiative des Niedersächsischen Landesbeauftragten für Opferschutz, Thomas Pfleiderer, fand am gestrigen Mittwoch das erste regionale Netzwerktreffen der Opferunterstützung in Celle statt. Der Einladung folgten rund 50 Praktikerinnen und Praktiker aus Beratungsstellen, Verwaltung, Polizei, Justiz, Kirchen und vielen weiteren Institutionen aus der Residenzstadt und Umgebung.

Pfleiderer zeigte sich beeindruckt ob der Vielfalt und des enormen Engagements der verschiedenen Akteure: „Ohne die tägliche Arbeit dieser Menschen wäre der Opferschutz in Niedersachsen nicht das, wofür er über die Landesgrenzen hinweg bekannt ist. Sie bieten Menschen in Not und Sorge eine sichere Anlaufstelle, beraten und ermutigen. Celle kann sich glücklich schätzen, hier so gut aufgestellt zu sein!“. Mit dem Netzwerktreffen bietet der Opferschutzbeauftragte den Praktikerinnen und Praktikern vor Ort einen Rahmen, sich innerhalb eines Nachmittages intensiv zu Themen des Opferschutzes auszutauschen und sich über die einzelnen Institutionen hinweg für ihre praktische Arbeit noch besser zu verzahnen.

Die Teilnehmenden nutzten beim Treffen in Celle die Gelegenheit, fachlich zu diskutieren, neue Kontakte zu knüpfen und alte – über die Monate der Pandemie etwas ins Ruhen geratene – Netzwerke wiederzubeleben

Einen ersten fachlichen Input bot der Vortrag „Bedürfnisse von Opfern nach dem Erleben einer Straftat. Eine psychologische Perspektive“ von Frau Dr. Waubert de Puiseau. Die in der Geschäftsstelle des Beauftragten der Bundesregierung für die Anliegen von Opfern und Hinterbliebenen von terroristischen Straftaten im Inland tätige Psychologin gab Einblicke, was Betroffene nach einem traumatischen Ereignis benötigen. Nicht immer sei eine psychologische Intervention erforderlich, da natürliche Heilungsprozesse der Psyche häufig ausreichten. Gerade in den ersten Wochen nach dem potentiell traumatisierenden Erlebnis seien zunächst alle Reaktionen der Betroffenen in Anbetracht des außergewöhnlichen Ereignisses als normal anzusehen. Wo es erforderlich sei, habe aber eine professionelle Unterstützung eine hohe Schutzwirkung vor Traumafolgestörungen. Meist genügten schon rund fünf Sitzungen in sog. Traumaambulanzen. In Niedersachsen besteht ein Netzwerk mit rund 30 Partnerkliniken, die schnelle psychologische Hilfen nach dem Erleben einer Gewalttat bieten. Aber auch Beratungs- und Unterstützungsstellen wie die Opferhilfebüros der Stiftung Opferhilfe Niedersachsen bieten Betroffenen von Straftaten wertvolle Hilfe auf dem Weg zurück in den Alltag.

Mit einigen dieser Unterstützungsangebote befassten sich die Teilnehmenden in einer Workshop-Phase intensiver. Sie lernten die psychosoziale Prozessbegleitung als besondere Form der Unterstützung von Opfern von Straftaten im Strafverfahren kennen – vorgestellt von den Opferhelferinnen des Opferhilfebüros Lüneburg. Einige tauschten sich zum Thema Alltagsdiskriminierung und der Beratung Betroffener rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt unter der Leitung der Betroffenenberatung Region-Ost-Niedersachsen, CJD Nienburg aus. Die Polizeiinspektion Celle und Stiftung Linerhaus stellten – ganz unter dem Motto „Prävention ist der beste Opferschutz.“ – aktuelle Präventionsprojekte der Polizei vor. Und einige Teilnehmende nutzen die Gelegenheit, sich von der Stadtwerke Celle GmbH und fairplaid GmbH über das Thema Crowdfunding und die Realisierung von Projekten zu informieren.

„Wir haben spannende Impulse durch Vorträge erhalten, uns alle miteinander angeregt unterhalten und neue Partnerinnen und Partner für die tägliche Arbeit gewonnen.“, resümierte Pfleiderer am Ende des Tages. Die Teilnehmenden bedankten sich vielfach für die Veranstaltung. Vor allem sich nach langer Zeit einmal wieder in Präsenz treffen und austauschen zu können, war für viele von ihnen ein besonderes Highlight.

Weitere Netzwertreffen dieser Art sollen in mittelgroßen Städten Niedersachsens folgen und den regionalen Akteuren des Opferschutzes die Gelegenheit bieten, sich komprimiert an einem Nachmittag mit den unterschiedlichen Institutionen noch besser zu verzahnen.


Zur Person:

Thomas Pfleiderer, Jahrgang 1950, wurde mit Beschluss der Landesregierung vom 29. Oktober 2019 zum 1. November 2019 zu Niedersachsen erstem Landesbeauftragte für Opferschutz ernannt. Er arbeitet ehrenamtlich und unabhängig von Weisungen. Seiner Ernennung war die Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder am 14. Juni 2018 vorausgegangen, infolge derer die Einrichtung von zentralen Strukturen des Opferschutzes in den Ländern beschlossen wurde. Die Einrichtung dieser Opferschutzstrukturen hatte der Beauftragte der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen des Terroranschlags auf dem Breitscheidplatz in seinem Abschlussbericht empfohlen.

Der Landesbeauftragte ergänzt das dezentrale Opferunterstützungssystem in Niedersachsen seit seiner Ernennung mit einem zentralen Beratungsangebot für Betroffene von Straftaten und deren nahestehenden Personen. Nach einem Clearing erfolgt bei Bedarf die Vermittlung geeigneter und möglichst wohnortnaher Hilfsangebote.

Zudem ist er für die zentrale Koordinierung des Opferschutzes im Falle eines straftatbezogenen Großschadensereignisses in Niedersachsen zuständig. Nach einer Amoktat oder ähnlichem sorgt er dafür, dass Betroffene schnelle und unbürokratische Hilfen erhalten.

Schmuckgrafik   Bildrechte: MJ

Artikel-Informationen

erstellt am:
05.11.2021

Ansprechpartner/in:
Herr Christian Lauenstein

Nds. Justizministerium
Pressesprecher
Am Waterlooplatz 1
30169 Hannover
Tel: 0511 / 120-5044

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