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Landesbeauftragter gegen Antisemitismus besucht Lüneburg

Der Niedersächsische Landesbeauftragte gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens, Dr. Franz Rainer Enste, nimmt am kommenden Dienstag, den 30. November 2021, verschiedene Termine in Lüneburg wahr.

Zunächst besucht er das Gymnasium Herderschule, wo er von seiner Arbeit als Antisemitismusbeauftragter berichten wird. Sodann trifft er im Museum Lüneburg die Direktorin Prof. Dr. Heike Düselder, die ihm neben der Abteilung „erinnern und erhalten“ auch ein Projekt zur Provenienzforschung vorstellen wird.
Anschließend tauscht er sich an der Leuphana Universität über die Ergebnisse des 2020 abgeschlossenen Forschungsprojekts „Klingende Erinnerungen – NS-Verfolgung und Widerstand in zeitgenössischer Musik aus Deutschland“ mit der Projektleiterin, Prof. Dr. Monika Schoop, aus.

Mit der Kampagne „Ex oder Jude!?“ haben die Schülerinnen und Schüler der AG "Schule ohne Rassismus" des Gymnasiums Herderschule ein außergewöhnliches Projekt angestoßen, welches gezielt auf unbedacht verwendete Trinksprüche antworten und so verschiedene Erfahrungen mit dem Schimpfwort "Jude" - insbesondere auf Partys und privaten Feiern - wiederspiegeln soll.
"Ich habe den Trinkspruch 'Ex oder Jude' selbst schon auf zwei Partys gehört", erklärt Tjark Schütze (16), der Teil der AG ist. "Meist wird er unbewusst verwendet, aber das führt dazu, dass Rassismus einen Platz im Alltag findet." Weitgehend allein entwickelten die AG-Mitglieder daraufhin zur Bewusstmachung und Sensibilisierung der restlichen Schülerschaft sowie als Impuls zu Zivilcourage Postkarten und Plakate, die nicht nur an ihrer Schule, sondern auch an anderen Schulen in Lüneburg und dem Landkreis ausgehängt wurden.
„Damit setzten die Schülerinnen und Schüler der Herderschule ein ganz besonderes Zeichen gegen Antisemitismus. Ich bin tief beeindruckt von dem Engagement der Jugendlichen, und ich würde mich freuen, wenn landesweit auch andere Schulen in Niedersachsen die Plakate und Postkarten aufhängen würden.“, so der Landesbeauftragte Dr. Enste, der die Schülerinnen und Schüler am 12. November bereits zu einer äußerst nachdenklich stimmenden Aufführung des Einakters „Die Judenbank“ in das Staatstheater Hannover eingeladen hatte.

In dem am 01. März 2015 neu eröffneten Museum Lüneburg mit seinen zwei Hauptsammlungen in der Wandrahmstraße ist unter anderem auch die Abteilung „erinnern und erhalten“ zu sehen, welche den jüngsten Zeitabschnitt der Geschichte darstellt und Objekte für Erinnerungen an historische Ereignisse präsentiert, die für das Lüneburger Geschichtsbewusstsein von besonderer Bedeutung sind. Dazu gehört selbstverständlich auch eine Befassung mit der Zeit der nationalsozialistischen Diktatur, welche die Museumsdirektorin, Prof. Dr. Düselder, dem Landesbeauftragten erläutern wird.
Auch über das Forschungsprojekt zur Provenienz verschiedener Museumsobjekte insbesondere aus dem Nachlass Marcus Heinemanns, einem Freund und Förderer des Museums, wird Prof. Dr. Düselder zu berichten wissen. Gefördert durch das Deutsche Zentrum Kulturverluste wurde hierzu zwischen 2014 und 2016 gezielt nach NS-Raubkunst gesucht.
„Die Erinnerung an das Leidvolle der düsteren Jahre der Nazi-Diktatur ist für uns heute ein wichtiger Bestandteil erinnerungskultureller Arbeit. Vor dem Hintergrund unsäglicher, scheinbar wieder salonfähig gewordener antisemitischer Äußerungen muss dabei der Blick jedoch stets auch auf das Hier und Jetzt gelenkt werden.“, kommentiert Enste.
Im Zuge einer vollständigen Aufarbeitung der Untaten, auch 80 Jahre später, sei es äußerst zu begrüßen, dass das Museum sich bereits vorbildlich mit dem Thema Raubkunst auseinandergesetzt habe.

Seinen Besuch in Lüneburg beendet der Landebeauftragte gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens mit einem Austausch am Institut für Kunst, Musik und ihre Vermittlung der Leuphana Universität. Hier berichtet Projektleiterin Prof. Dr. Monika Schoop von den Erkenntnissen des Forschungsprojekts „Klingende Erinnerungen – NS-Verfolgung und Widerstand in zeitgenössischer Musik aus Deutschland“.
Hierzu hebt der Landesbeauftragte hervor: „Dass in Niedersachsen wichtige Studien zu meist bis dato wenig erforschten Phänomenen getätigt werden, zeigt, dass unser Bundesland in diesem Sachgebiet ein äußerst wichtiger Forschungsstandort ist. Besonders gespannt bin ich darauf, bei meinem Besuch zu erfahren, wie die gewonnenen Erkenntnisse nun in der heute alltäglichen Praxis angewandt und in die weitere erinnerungskulturelle Arbeit umgesetzt werden.“

Logo des Niedersächsischen Landesbeauftragten gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens   Bildrechte: MJ
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Artikel-Informationen

erstellt am:
29.11.2021

Ansprechpartner/in:
Geschäftsstelle des Landesbeauftragten gegen Antisemitismus und für den Schutz jüdischen Lebens

Nds. Justizministerium
Am Waterlooplatz 1
30169 Hannover
Tel: (0511) 120 - 8750

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