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Landesjustizprüfungsamt (LJPA)

Nur Volljuristen können als Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin zugelassen sein. Sie können im Justizdienst als Richter oder Richterin, Staatsanwalt oder Staatsanwältin arbeiten. Auch eine Berufstätigkeit im höheren Dienst der Landes- oder Bundesverwaltungen setzt selbiges voraus. Ein Volljurist oder Volljuristin ist jemand, der oder die ein Jurastudium an einer Universität und anschließendes Referendariat absolviert hat. Beide Ausbildungsteile werden durch separate Staatsprüfungen abgeschlossen. Diplom-Jurist oder Diplom-Juristin darf sich nennen, wer ein Jurastudium erfolgreich mit der Ersten Prüfung absolviert hat. Die Erste Prüfung besteht aus der Schwerpunktbereichsprüfung an der Universität und der Pflichtfachprüfung.


Das Landesjustizprüfungsamt (LJPA) ist zuständig für die Abnahme der Pflichtfachprüfung sowie der Zweiten juristischen Staatsprüfung.

Das LJPA ist organisatorisch ein Teil des Niedersächsischen Justizministeriums. Seit Januar 2007 befindet es sich in der Residenzstadt Celle in der Fuhsestraße 30.

Überwiegend im Nebenamt tätige Prüferinnen und Prüfer unterstützen das LJPA bei der Durchführung der Prüfungsver­fahren. Diese Mitglieder des Landesjustizprüfungsamtes kommen aus allen Bereichen der Justiz, Verwaltung und Anwaltschaft. Auch Hochschullehrer und Hochschullehrerinnen der niedersächsischen Universitäten Göttingen, Hannover oder Osnabrück sind Mitglieder des Prüfungsamts. Der universitäre Mittelbau, also die Verwaltung und Beschäftigte der Lehrstühle, können als Volljuristen oder Volljuristinnen Mitglieder des LJPA sein.


Pflichtfachprüfung

Die Pflichtfachprüfung erfolgt auf Antrag des Prüflings in der Regel nach einem Studium von 8 - 10 Semestern. Das LJPA prüft die gesetzlichen Zulassungsvoraussetzungen und erlässt einen Zulassungs­bescheid. Die Studierenden müssen hierfür die erfolgreiche Teilnahme an Übungen im Bürgerlichen Recht, Strafrecht und Öffentlichen Recht nachweisen. Sie erwerben darüber hinaus für die Zulassung unter anderem bestimmte Zusatz- und Schlüsselqualifikationen, um die Voraussetzungen zu erfüllen. Dazu zählen zum Beispiel Fremdsprachenkompetenz und sogenannte Soft Skills wie Gesprächsführung, Rhetorik, Vernehmungslehre oder ähnliches.

Die Pflichtfachprüfung besteht aus einem schriftlichen Teil (6 Klausuren) und einer mehrstündigen mündlichen Prüfung. Sie fließt mit 70 % und die Schwerpunktbereichsprüfung mit 30 % in die Gesamtnote ein. Darüber stellt das LJPA ein Gesamtzeugnis über die sogenannte Erste Prüfung aus. Mit diesem Zeugnis können die geprüften Dipl.-Juristinnen und Dipl.-Juristen sich zum Referendariat anmelden.

Etwa 700-800 Kandidatinnen und Kandidaten lassen sich derzeit jährlich prüfen.


Zweite juristische Staatsprüfung


Die zweite juristische Staatsprüfung zielt in erster Linie auf die Überprüfung des im Referendariat erlangten Wissens. Das Referendariat dient zum einen dem Erwerb vertiefter theoretischer Kenntnisse, das gilt besonders auf dem Gebiet des Prozessrechts. Die Referendarinnen und Referendaren erlernen vor allem berufspraktische Fertigkeiten durch Mitarbeit am Arbeitsplatz. Eine Richterin oder ein Richter in Zivilsachen, eine Staatsanwältin oder ein Staatsanwalt bildet Sie weiter aus. Ebenso begleiten Sie den Arbeitsalltag einer Verwaltungsbeamtin oder eines Verwaltungsbeamten und einer Rechtsanwältin oder eines Rechtsanwalts. Nach diesen sogenannten Pflichtstationen können die Referendarinnen und Referendare in einem Arbeitsfeld ihrer Wahl weitere Qualifikationen erwerben. In der sogenannten Wahlstation können Sie beispielsweise bei einem Wirtschaftsunternehmen oder einem Finanzgericht tätig werden.

Die zuständigen Oberlandesgerichte melden ihre Prüflinge gegen Ende der Pflichtstationen bei dem LJPA zur Prüfung an. Die Kandidatinnen und Kandidaten absolvieren anschließend den schriftlichen Teil der Zweiten Staatsprüfung. Dieser besteht aus acht Klausuren, deren Themen den im Referendariat durchlaufenen Pflichtstationen entsprechen. Die nach der Wahlstation stattfindende mündliche Prüfung besteht aus einem Aktenvortrag, der an die Wahlstation anknüpft, und vier Prüfungsgesprächen.

Der schriftliche Teil der Prüfung geht mit 60 %, der mündliche mit 40 % in die Gesamtnote ein. Das LJPA stellt das Zeugnis über die bestandene Prüfung aus. Es befähigt den Prüfling, der sich nun Assessor oder Assessorin nennen darf, zur Tätigkeit in den verschiedenen juristischen Berufen. Die Zulassung als Rechtsanwalt oder Rechtsanwältin kann beantragt werden.

Circa 700 - 800 Referendare und Referendarinnen legen zurzeit jährlich in Niedersachsen ihre Prüfungen ab.


Weitere Aufgaben des Landesjustizprüfungsamtes

Zum Jahreswechsel 2013 erhielt das Landesjustizprüfungsamt neue Aufgaben. Das Niedersächsische Justizministerium übertrug ihm die Zuständigkeit für das Recht der Juristenausbildung und allgemeine Fragen des Prüfungsrechts. Daneben entscheidet es seitdem auch über die Anerkennung ausländischer juristischer Bildungsabschlüsse. Besonders im Rahmen der Gleichwertigkeitsprüfung stellen die Bewerber und Bewerberinnen ihre Eignung unter Beweis. Geregelt ist dies durch § 112 a DRiG.

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