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Niedersachsens Justiz stellt sich der eigenen Vergangenheit

Ausstellung: Justiz im Nationalsozialismus

Im Jahr 1990 wurde im Auftrag des Niedersächsischen Justizministeriums in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel eine Gedenk- und Dokumentationsstätte für die Opfer der NS-Justiz eingerichtet. Im damaligen Strafgefängnis Wolfenbüttel war 1937 eine von zwei zentralen Hinrichtungsstätten für Norddeutschland errichtet worden. Seit Oktober 1993 ist die Gedenkstätte der Landeszentrale für politische Bildung angegliedert.

In der Gedenkstätte wird seit 1999 die Ausstellung "Justiz im Nationalsozialismus - über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes" mit großem Erfolg gezeigt. Auf erschütternde und eindrucksvolle Weise wird dort verdeutlicht, wie die NS-Justiz bis in die letzten Kriegstage Menschen verfolgte und hinrichten ließ.

  • Damit stellt sich die niedersächsische Justiz der eigenen Vergangenheit, um lange Versäumtes und Verdrängtes spät, aber nicht zu spät zu leisten.

  • Damit trägt sie dazu bei, den Rechtsextremismus zu bekämpfen und für den demokratischen Rechtsstaat zu streiten.

Der Blick auf die Vergangenheit, in der sich die Justiz vom Recht löste um dem nationalsozialistischen Unrechtsstaat willig zu dienen, schärft auch den Blick auf Entwicklungen in der Gegenwart. Denn es ist Aufgabe der Justiz, für die Wahrung der vom Grundgesetz geschützten Freiheitsrechte und gegen Intoleranz und Gewalt einzutreten.

Was zeigt die Ausstellung?

  • Sie dokumentiert die Entwicklung der deutschen Justiz in den Jahren 1933 bis 1945. Im Mittelpunkt steht dabei das Strafrecht. Mindestens 30.000 vollstreckte Todesurteile und zahlreiche hohe Freiheitsstrafen zeugen in erschreckender Weise von der Tätigkeit deutscher Staatsanwälte und Richter. Diese hatten kompetent und mit großem persönlichem Engagement einem totalitärem System gedient, das alle Gegner und Nichtangepassten ebenso wie so genannte Fremdvölkische und "rassisch Minderwertige" der Vernichtung preisgab.

  • Dokumentiert wird ebenso, wie die Justiz nach 1945 mit den Verbrechen deutscher Richter und Staatsanwälte umging. Keiner wurde wegen seiner Tätigkeit bestraft. Das gesetzliche Unrecht wurde nicht kritisch aufgearbeitet, sondern gerechtfertigt. Die Opfer der NS-Justiz wurden so zum zweiten Mal zu Opfern gemacht.

Wanderausstellung

Schnell war die Nachfrage so groß, dass die Idee einer zusätzlichen Wanderausstellung entwickelt und umgesetzt wurde. Dabei setzte das Konzept auf die Mitarbeit der örtlichen Justiz, der Hochschulen ebenso wie der Geschichtswerkstätten, von Verbänden und Organisationen.

Zum ersten Mal ging damit eine Ausstellung über die NS-Justiz dorthin zurück, wo "im Namen des Deutschen Volkes" Verbrechen verübt wurden, nämlich in die Gerichte. Die Basisausstellung wurde ergänzt durch Regionalteile, örtliche Veranstaltungen und ein umfangreiches Angebot an pädagogisch-didaktischen Materialien. Der enge Bezug auf Niedersachsen und die jeweilige Ausstellungsregion regte zur Auseinandersetzung mit der lokalen Justizgeschichte an. Täter wie Opfer wurden aus der Anonymität geholt.

Mehr als 58.000 Besucher sahen an insgesamt 10 Stationen in ganz Niedersachsen und in Berlin die Wanderausstellung "Justiz im Nationalsozialismus - Über Verbrechen im Namen des Deutschen Volkes" und mehr als 670 Gruppen erhielten eine Führung durch die Ausstellung.

Jetzt ist die Ausstellung an ihren Stammsitz in der Justizvollzugsanstalt Wolfenbüttel zurückgekehrt und kann dort besichtigt werden.

Kontakt:

Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel

Ziegenmarkt 10

38300 Wolfenbüttel

Tel.: +49 (0) 5331 - 807-343
Fax: +49 (0) 5331 - 807-871
wolfenbuettel@stiftung-ng.de
wolfenbuettel.stiftung-ng.de

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