Nds. Justizministerium klar

Managementinformationssysteme in der niedersächsischen Justiz

Management lässt sich - im Gegensatz zu schlichter Verwaltung und Bewirtschaftung - als umfassende, ganzheitliche, aktive (oder proaktive) Gestaltung und Steuerung verstehen. Im Rahmen dieser Steuerung können bewusst Ziele gesetzt, die Zielerreichung überprüft sowie Potenziale gefördert und genutzt werden. Ressourcen - personell wie finanziell - müssen möglichst effizient eingesetzt werden. Managementprozesse können durch spezifische Instrumente des Controllings unterstützt werden.

Um den genannten Erfordernissen nachkommen zu können, benötigen die Gerichte und Staatsanwaltschaften entsprechend aufbereitete Informationen. In der Justiz werden seit jeher umfangreiche, statistische Daten gesammelt. Dazu zählen u. a. Haushaltswirtschaftsdaten, Geschäfts- und Personalübersichten, Abwesenheitsstatistiken, verfahrensbezogene Daten im Sinne der Zählkartenanordnungen. Die Reihe ließe sich fortsetzen. Ergänzend dazu werden auf Landesebene Daten zur Infrastruktur des Landes bereitgestellt. Die vorhandenen Statistiken und Tabellen betrachten deren zugrunde liegenden Sachverhalte jedoch fast ausschließlich singulär. Das bisher bereit gestellte statistische Material ermöglicht den Adressaten keine schnelle und spezifische Filtermöglichkeiten, sondern fließt teilweise in Form von umfangreichen Papierausdrucken in die Dienststellen zurück. Schließlich stammen die Daten aus unterschiedlichen Quellen und sind über unterschiedliche Systeme - z. B. lokal installierte Fachverfahren oder zentral bereitgestellte Datenbanken und sind in unterschiedlicher Form - teils elektronisch oder auf Papier - abrufbar und erschweren somit die Erstellung einheitlicher, leicht kommunizierbarer Auswertungen und Berichte.

Für ein effektives und modernes Justizmanagement ist jedoch eine ganzheitliche Sichtweise unter Einbeziehung vieler Daten ganz unterschiedlicher Quellen geboten. Grundlage hierfür kann nur ein elektronisches Informationssystem sein, das die Vielzahl statistischer Daten systematisch aufbereitet und nach Kennzahlenbereichen zusammenfasst sowie die Darstellung von Korrelationen im Sinne einer Balanced Scorecard erlaubt. Diese Kennzahlen unterscheiden sich dabei - vor allem, soweit mit ihnen auch Aufgaben der Dienstaufsicht unterstützt werden sollen – deutlich vom Begriff des Controllings im lediglich betriebswirtschaftlichen Sinne.

In Niedersachsen wird den Behörden- und Geschäftsleitern hierzu ein Managementinformationssystem (MIS) zur Verfügung gestellt, mit dem sie schnell und unmittelbar einen Überblick über wichtige Daten ihrer Dienststelle gewinnen können. Im Bereich der Staatsanwaltschaften dient hierzu als technische Plattform das Management-Reporting-System Infor MIS; im Bereich der ordentlichen Gerichtsbarkeit erfolgt dies durch die niedersächsische Eigenentwicklung JuMIS (Justizmanagementinformationssystem).

Die Dienststellen werden mit der Einführung dieser Systeme in die Lage versetzt, Bedarfe oder andere Fragestellungen anhand valider und einheitlich erhobener Daten und Kennzahlen nachzuweisen und zu begründen. JuMIS und Infor MIS erlauben ein Benchmarking verschiedener Dienststellen im Rahmen von Qualitätsmanagementverfahren. Daten der eigenen Dienststelle können mit Durchschnittswerten anderer Dienststellen verglichen werden. Damit werden sowohl Auswertungen über zeitliche Entwicklungen und Tendenzen als auch Auswertungen zwischen vergleichbaren Dienststellen (externe Vergleiche) ermöglicht. Durch die Vorhaltung einheitlich strukturierter Informationen können positive wie negative Entwicklungstrends analysiert und beeinflusst werden.

Da die vorgenannten Daten in digitaler Form vorliegen, kommt es zu einem Wegfall der Berichtspflichten in herkömmlicher Art. Die Adressaten können die Berichte, z. B. den Statistik-Bericht "Personalverwendung" in JuMIS, direkt aus den Informationssystemen beziehen.

Gemeinsam ist den Projekten JuMIS und InforMIS der Fokus auf die Bereiche des Personalmanagements. Hier werden Kennzahlen des Personalbedarfs und der tatsächlichen Belastung auf Basis der Festlegungen der bundeseinheitlichen Personalbedarfsberechnung nach PEBB§Y berechnet und dargestellt. Daneben sind die Bereiche des Verfahrensmanagements und der Infrastrukturkennzahlen in beiden Projekten ähnlich konzipiert.

Eine große Bedeutung kommt dem Bereich der Finanzkennzahlen zu. Mit der Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung in den Bezirken der Generalstaatsanwaltschaft Braunschweig sowie des Oberlandesgerichts Braunschweig ist den Dienststellen ein outputorientiertes Budget zur eigenständigen Bewirtschaftung zugewiesen worden. Mithilfe der Kennzahlen aus dem Finanzbereich - verbunden mit weiteren qualitativen Kennzahlen - werden die Grundlagen für einen effektiveren Mitteleinsatz sowie die unterjährige Steuerung dieser Budgets geschaffen.

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